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Wer ist  Zunigunde?   [Jan 2007]  

Zunigunde ist (m)eine liebe Hannoveranerstute. Ihr voller Name ist Zunigunde Zunipferd, manchmal auch nur schlicht 315412799 oder kurz "99". Zunigunde heißt sie, weil sie wegen ihres Vaters nicht Kunigunde heißen darf und weil sie sich an den Rufnamen Zuni gewöhnt hat - und weil mir vermurkste Anredeformen wie "Zunella" derart zuwider sind, daß ich als "offizielle" Variante einen treudeutschen möglichst ähnlich klingenden Namen gewählt habe. Eingetragen ist er nicht, und so wären noch Variationen denkbar wie etwa Zunhilde, Zunami (... Ideen?).

Kennengelernt haben wir uns im Sommer 2005 eher (vor)beiläufig beim Koppelabäppeln durch ihre charmante Freundin, die immer alles beschnuppern mußte, und die stets von der eher zurückhaltenden und gelegentlich auch schon mal agressiv abweisenden Zuni begleitet wurde. Zur Verteidigung des Besitzstandes wird man lang und schmal, Ohren am Hals, Schlitzaugen, Strich in der Landschaft. Auskeilenderweise gerät die Verteidigung des gerade bearbeiteten Heuhaufens zum aussagekräftigen Rückwärtsgalopp. Aus diesem Vorgehen entwickelte sich alsbald ein eleganter Rückwärtstrab, in welchem sie die anderen aus der Gruppe in der Mitte zusammentreibt und dort festhält, bis die Heuhaufen auf der Koppel hinreichend sondiert sind. - Beides inzwischen nur noch selten. Ganz freundlich kontrolliert man nun selber anstelle der längst aus dem Dunstkreis entschwundenen Freundin die Abäppelkarren auf Inhalt und Füllungsgrad.

Nach einem Leben auf der Weide und ohne irgendeine Form auch nur ansatzweiser Ausbildung stand da ein grenzenlos mißtrauisches, entschlossenes und völlig rohes Pferd mit der Lebenserfahrung von sechseinhalb Jahren Weidegang, das niemanden mehr ernsthaft interessierte. So ergab sich das Angebot zum Kauf für einen derart geringen Preis, daß ich es mir nicht leisten konnte, meinen alten, eigentlich längst aufgegebenen Traum nicht doch noch wahr zu machen. Und so wurde im August 2005 aus uns ein Paar.
Mein oller Trecker, ein DNEPR MT16 Gespann ging dafür dahin - bei aller anfänglichen Ungewißheit, nie, wie ich nun weiß, wirklich nie habe ich etwas vernünftigeres getan!

Angefangen hat das Ganze aus dem einzigen Grunde, daß Zuni ein Pferd war, das ich bezahlen konnte. Ich hab' es zunächst auf der Koppel nur erkannt, weil es das eine war, das mich ständig zu beobachten schien und das im Schlepptau seiner Freundin zu mir Schnuppern kam. So fanden wir uns. Folgerichtig blieb mir garnichts anderes, als mich ohne Kompromiß auf Zuni einzulassen. Belohnt wurde das sehr schnell dadurch, daß dieses Pferd seinerseits sich mir zuwandte, sich eindeutig und, wie nach nunmehr drei Jahren [8/08] längst klar ist, dauerhaft und noch immer in Steigerung begriffen auf mich einließ.

Nach gut einem Jahr, wobei allerdings runde 5 Monate an alle möglichen Umstände - u.a ewiger Streit, Neid, Mißgunst und gegenseitiges Belauern im und um den Stall, zwei Knochenbrüche und vor allem ein harter Winter ohne Reithalle und mit unbenutzbar festgefrorenem "Gelände" - vergeudet waren, hatte ich ein über alle maßen zutrauliches, sanftes und auf seine ganz besondere, sehr selbstbewußte Art auch vertrauensvolles Pferd in Händen. Nur manchen Fremden gegenüber zeigt die Gute - wohl nicht unbedingt nur zu ihrem Schaden - recht deutlich ihr Mißtrauen, d.h. wenns drauf ankommt, kriegt sie Schlitzaugen, die Ohren liegen am Hals und das ganze Pferd wird zu einem Strich in der Landschft - wie gehabt, siehe oben. Aber nur noch selten, wirklich ganz selten, eigentlich überhauptnichtmehr...

Und seit Ende Juli 2006 läßt meine Zuni mich nun reiten.

Zu meiner großen Freude verlief das Anreiten ganz so, wie ich es gehofft, aber nicht wirklich erwartet hatte: In aller Ruhe, ohne Gezappel, ohne Furcht, souverän. Ruhig stehend ließ sie mich aufsitzen, niemand mußte halten oder sanfte Worte sprechen - oder überhaupt dabeisein. Dann lief sie auf ein leises "vorwärts" los, ging einen Kreis und blieb auf "halt" stehen. Das war der erste "Ritt".
Die Zittertour am nächsten Tage, denn nun wußte sie ja, was bevorstand, verlief genauso; der Kreis war diesmal nur etwas größer, fast schon ein richtiger Zirkel. Na, und inzwischen können wir schon "Zirkel", "ganze Bahn", "halbe Bahn", aus allem den Handwechsel, "Schlangenlinie" und (fast) geradeaus gehen, in Schritt und Trab halbwegs taktrein und fleißig "vorwärts abwärts" mit ersten Versuchen einer vorsichtigen Anlehnung, Cavaletti (das einzige des Hauses;) und Trabstangen sind Routine. Aus der ersten viertel Minute ist fast eine Stunde geworden, die Kondition wächst rapide, ausgeritten sind wir auch schon.

Auch im Gelände sind wir sehr viel mutiger geworden; wackeres Pferd. Angst kaum noch, manchmal ist genaues Hinsehen nötig, vielleicht auch mal sehr genaues Hinsehen, aber dann gibt's den rituellen leisen Ruck durchs Pferd und wir gehn voran. Erstmal neben Übungen zur allgemeinen Gelenkigkeit vor allem Krafttraining. Eine Stunde, zwei, jüngst sogar schon einmal vier - aber das wollen wir vorerst nicht wiederholen. Wir trauen uns über Brücken und auch drunter durch, dicke Autos, selbst Eisenbahnzüge und -Schranken(!) haben ihren Schrecken verloren; wir nehmen steile Abhänge, rauf und runter, galoppieren durch Bodenwellen, zwischen Bäumen entlang und über Hindernisse, hopsen auch so schon mal gerne ein wenig herum, aber immer fröhlich vorwärts, niemals unwillig. - Ich liebe dieses Pferd, aber das ist inzwischen wohl nichts Neues mehr.

Wie das Zunchen ein Reitpferd wurde, folgt auf einer anderen Seite.


 
   
   
   

Die Lebensnummer: 
	[nn] Zuchtgebiet	[nn] Deckstelle		[nnn] lfd.Nr	[nn] Geburtsjahr
	 31  Hannoveraner	 54  Dorum		 127		 99  1999

"Krone der Schöpfung"? - Was ist eine Krone schon wert, ohne den, der sie trägt!



 
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